Vereinsgeschichte

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Die Geschichte der
"Nordhäuser Schützenkompanie von 1420 e.V."
Fast 600 Jahre "Nordhäuser Schützenkompanie 1420", eine Tradition, die weit in das 13. Jahrhundert zurückreicht und somit zählt die Nordhäuser Schützenkompanie mit zu den ältesten Schützenvereinen Deutschlands.
Unabhängig von der Vertretung ihrer wirtschaftlichen Interessen und deren Vereinigungen (Innungen, Zünfte) bildeten die Bürger im 13. Jahrhundert unter dem Einfluß der Kirche auch verschiedene geistliche und weltliche Interessengemeinschaften, sogenannte Brüderschaften.
In den mittelalterlichen Städten waren alle Vollbürger verpflichtet zu Dienst mit der Waffe, um gemeinsam die Stadt gegen Feinde verteidigen zu können. Unter ihnen gab es auch einige Schützen, die besonders das Handwerk mit der Waffe üben wollten. Sie bildeten ihre eigene Bruderschaft, die der Pfeilschützen. Wie auch andere Vereinigungen hatten die Schützen ihr eigenes Kirchengerät, ihren eigenen Schutzheiligen, Fahnen und Prozessionsstangen, eine Sterbekasse, führten eigene Gottesdienste durch, besaßen eine eigene Satzung, der sich jeder bei Strafe unterzuordnen hatte. Wer Mitglied werden wollte, mußte eine Aufnahmegebühr entrichten und einen Jahresbeitrag zahlen.

Diese Schützenbruderschaft in Nordhausen, wie auch viele andere Schützenbruderschaften anderer Orte, waren dem heiligen Sebastian geweiht, der ihr Schutzheiliger war. Der heilige Sebastian war römischer Krieger, der im Jahre 290 mit glühenden Pfeilen hingerichtet wurde, weil er den christlichen Glauben nicht abschwor und im 4. Jahrhundert als Märtyrer heilig gesprochen wurde. Der Sebastiansschmaus vieler Schützenvereinigungen erinnert an den Todestag am 20. Januar.
Da die Angehörigen der Bruderschaft über die ganze Bürgerschaft hin verteilt waren, ist daraus ersichtlich, daß sie ihre Bruderschaft nicht bei einer städtischen Kirche, sondern bei den Dominikanermönchen in der Predigerstraße hatten.

Die erste urkundliche Erwähnung der Sebastiansbruderschaft geschah vor fast 600 Jahren, am 13. September 1420. An diesem Tag nimmt der Provinzial der Predigermönche in der Provinz Sachsen, Bruder Robertus, Professor der Theologie in Marburg, die fromme Pfeilschützenbrüderschaft zu Nordhausen - devota civitatis northusen sagittariorum fratemitas - in die Bruderschaft seines Dominikanermönchsordens auf und sichert ihr die Teilhaftigkeit an allen Messen, Vigilien, Predigten, Fasten, Gebeten usw. zu, auch soll für deren Seelen in dem Provinzialkapitel gebetet werden, wenn der Tod eines Mitgliedes dorthin gemeldet ist.
Mit der Aufnahme in den Provinzialverband der Dominikanermönche ist natürlich auch die enge Verknüpfung mit dem Lokalkloster der Predigermönche verbunden. Durch manche milden Gaben vergalten die offenbar zumeist aus wohlhabenden Kreisen der Bürgerschaft stammenden Schützen den Mönchen ihr Entgegenkommen. So bekennen der Prior Albrecht Kinderlin und die anderen Predigermönche zu Nordhausen am Heiligedreikönigsabend (5. Januar) 1421, daß die Schützen Dietrich Hüsener, Günther von Berge, Klaus Wandereyse, Konrad Görteler, Henning Etzenborn, Hans Dete nebst anderen Mitgliedern dieser Gesellschaft Gott zum Lobe und zur Ehre der heiligen Jungfrau Maria und des heiligen Sebastians inmitten ihrer Kirche eine Kerze von 30 Pfund Wachs aufgestellt haben, welche jedes Jahr erneuert werden soll. Dieser Brauch wird auch heute noch in der Alpenregion zum Sebastianstag durchgeführt. Aus dem ganzen 15. Jahrhundert sind die mannigfachsten Stiftungen von ihnen überliefert.

Nicht nur die gesamte Brüderschaft spendete reichlich, sondern auch einzelne. Der Schützenmeister Kurt Friedrich spendete 1428 während einer Krankheit 15 Rheinische Gulden, jährlich 12 Scheffel Kornzinsen und 2 Gulden für einen weiteren Marktscheffel.
Die Brüderschaft besaß unter anderem mehrere Amtsröcke (Cafalen) für Priester, mehrere Überröcke (Levitenröcke) für die bei den heiligen Handlungen Bediensteten, zwei Kelche, von den einen die ganze Brüderschaft und den anderen Hans Mühlhausen gestiftet hatte, dazu vergoldete Spangen und mehrere kostbare Altartafeln.
Die Schützenbrüder hatten sich aber auch zur Ausbildung in der edlen Schießkunst und zur Begehung fröhlicher Schützenfeste zusammengeschlossen. Ihre Schießübungen führten sie im "Armbrustgraben" durch, dem Teil des Stadtgrabens, der sich vom Töpfertor nach Norden erstreckte, wo sich heute die Promenade befindet. Die Waffen der Schützenbrüderschaften waren in älterer Zeit Pfeil und Bogen. Die Armbrust gewann erst im 13. und 14. Jahrhundert beim deutschen Städtebürgertum an Bedeutung.
Auch ihre Schützenfeste, den sogenannten Schützenhof, feierten sie alljährlich und nahmen, um ihre Kunst auswärts zu zeigen, auch gern die Einladungen anderer Städte und Schützengesellschaften an.

Die Schützenfeste waren ursprünglich ein Maienfest und das Schützengrün ist das Maiengrün. Die Feste dauerten vom 1. Mai bis zur Sonnenwende. Mit dem Königsschießen endete solch ein Schützenhof. Der Schützenkönig wurde anfänglich nur mit einem Kranz geehrt, erst später gab es Schweine, Hühner und andere Naturalien.
Dieses Pfeil- und Armbrustschützenwesen nahm im 15. Jahrhundert einen lebhaften Aufschwung, dies beweisen die zahlreichen Einladungen anderer Schützengesellschaften zu denen die Nordhäuser Schützenbrüder ziemlich oft eingeladen wurden. 1459 nach Langensalza, nach Erfurt 1460, 1470, 1471, 1477, nach Mühlhausen 1482, nach Stolberg 1486, nach Sangerhausen 1491. Hier einige Beispiele:

    * Am Michaelstag 1459 laden ein der Rat, die Kleinodienmeister (Schatzmeister) und Schießgesellen zu Erfurt die Kleinodienmeister und Schießgesellen zu Nordhausen ein zu guter Gesellschaft und zu einem Schießen um 91 Schock alte Groschen (Haufen, Anzahl von 60 Stück). Die werden denen, welche kommen wollen, eine gute Herberge besorgen, worin ein jeder für sein Geld zehren mag. Wer aber, ohne 8 Tage vorher abzusagen, ausbleibt, soll dem Wirthe die Kost bezahlen.
    * Im Sept. 1460 schreiben die Kleinodienmeister, Schützen und Schießgesellen zu Erfurt an die Nordhäuser, daß sie um 103 Schock mit der Amibrust schießen wollen. Man soll beim Schießen 150 Ellen (55-85 m) vom Ziel entfernt sitzen oder stehen. Mehr als 6 Schützen sollen die Nordhäuser nicht senden. Für diese soll die Herberge bestellt werden, wo dieselbigen es wünschen, und darin mögen sie für ihr Geld zehren.

    * Im Jahre 1470 beschwerte sich der Rat zu Erfurt, daß die Nordhäuser die Kleinodienmeister und Schützen nicht nach Brfurt schicken wollten; denn das sei ein Schimpf für Erfurt, und auch der Herzog Wilhelm von Sachsen, welcher dahin komme, werde es ungern sehen - Die Beschwerde hatte Erfolg, denn
    * Am Sonntag den 29. Mai 1471 verkündete der Rat, die Kleinodienmeister und Schießgesellen zu Nordhausen, nachdem sie der Herzog Wilhelm von Sachsen durch den Rat zu Erfurt mit einem Schützenhof daselbst verehret hat, so wollen sie zu einer Fröhlichkeit und einem Schießen in Nordhausen auf Johanni einladen, wozu der Herzog auch kommen will.
    * Am Dienstag den 9. Juli 1477 laden der Rat zu Erfurt die Nordhäuser ein, am Montag den 28. Juli einige Kleinodien und anderes mit auszuschießen, weil der Herzog Wilhelm die Kleinodienmeister und Schützen da selbst mit einem Schützenhof verehren und selbst mit schießen will. Dazu möchten die Nordhäuser nach ihrer Gewohnheit acht Schützen und Kleinodienmeister senden. Der Stand oder das Sitzen soll 150 Ellen von dem "Weibe" entfernt sein. Jeder soll seinen abgeschliffenen und beschriebenen Bolzen haben und ohne Hilfe und Vorteil nach Schießrecht schießen. Jeder soll 20 Schüsse tun. - Der Herzog Wilhelm von Weimar, der Graf Heinrich von Schwarzburg und der Graf Ernst von Gleichen kamen nebst anderen Grafen und Edelleuten dahin. Sie schossen 3 Tage an der Leimgrnbe, am Löwentor, mit Armbrüsten und Pfeilen um 10 Kleinod, das waren silberne Becher und Schalen, das beste 30 Gulden wert. -

    * Im Jahre 1486 schreiben der Rat, die Kleinodsmeister, Schützen und Schießgesellen zu Stolberg an die Nordhäuser, daß sie am 3. September ein Schießen veranstalten mit 8 Schüssen - nämlich 7 zu "sechs Nahen" um 12 zinnerne Kannen von je 3 Pfund, und 1 um 8 silberne Leuchter von je 5 Loth und 3 rheinische Gulden wert - und am folgenden Tag mit 8 Schüssen - 7 um 42 zinnerne Becher von 3,5 Pfund und 1 um 8 silberne Becher. Der Stand soll sein 138 Ellen. Zu diesem Schießen möge der Rat von Nordhausen wenigstens 12 ihrer Kleinodienmeister und Schützen senden, ihnen fröhliche Gesellschaft zu leisten. Herberge soll für sie bestellt werden. Können sie nicht kommen, so mögen sie es 14 Tage vorher schreiben, indem sie sonst Kost und Zehrung wie die Anwesenden zahlen müssen.
    * Im Jahre 1500 laden der Rat und "gemeinen Schießgesellen der Arrubrust und Büchsen zu Leipzig" die Schießgesellen zu Nordhausen zu einem Schützenhof ein, nach Gunst des Herzogs Georg von Sachsen, zum Gewinne von 100 rhein. Gulden u. v. m. Mit Armbrüsten soll geschossen werden von einem Sitze von 100 Ellen Entfernung, mit freien, schwebenden Armen und abgetrennten Wammsärmeln, auch so, daß die "Saul" nicht die Achseln und der Schlüssel die Brust nicht berühre, auf einem freien Stuhle ohne Lehne.
    * Die Büchsenschützen sollen 20 Schuß tun in eine unversehrte, schwebende Scheibe, 2,5 Ellen lang und breit, von einem 300 Ellen entfernten Stande. Dabei soll man schießen aufrecht, mit freiem schwebenden Anne und abgetrennten Wammsärmeln, ohne Schnurriemen und ohne Rauchpfanne, mit einem einfachen Absehen vom auf der Büchse und einem Löchlein hinten. Auch soll man ganz ohne Vorteil schießen, so daß die Büchse die Achsel hinten nicht berühre, und nicht mit zwei "Geladen" zu einem Schuß u. v. m.


Aus diesen Einladungen ist recht gut zu ersehen, wie es auf dem alten Schützenhofe zuging. Meist schrieben die Einladungen die Anzahl der Schützen vor, die zu entsenden waren, wie geschossen werden sollte, wieviel Schuß abgegeben werden dürfen und auf welche Entfernung geschossen wurde.
Die Scheiben selbst hatten die verschiedensten Formen. 1477 zu Erfurt wurde "nach dem Weibe" geschossen. Seit dem 16. Jahrhundert stellte man gern Türken auf. Auch Ringscheiben, das sogenannte Blatt, dienten als Ziel. Sie hatten in der Mitte ein enges Loch, und wer den Pfeil hier hindurchschoß, hatte den "Meisterschuß" getan. Daneben kam im 16. Jahrhundert auch das Schießen nach einem auf einer Stange sitzenden hölzernen Vogel auf. In Nordhausen wurde am 17. Juni 1588 eine solche Vogelstange von den hiesigen Armbrustschützen aufgestellt und am 25. August das erste Schießen auf den hölzernen Vogel ausgerichtet.
Daß während oder nach dem Schießen ein fröhliches Treiben einsetzt, ist selbstverständlich. Der Sieger mußte sich freigiebig zeigen und manchen wird sein Meisterschuß schon in jener Zeit wohl das vielfache von dem gekostet haben, was er mit seiner Kunst gewonnen hat.
Mit der Erfindung des Schießpulvers Anfang des 14. Jahrhunderts und mit der Entwicklung der vollständig geschäfteten Büchse Mitte des 15. Jahrhunderts kamen die ersten Büchsenschützen-Vereine auf. Wegen des hohen Gewichtes der Hakenbüchse, welche 15 - 100 Pfund schwer war, konnte diese nur allmählich zur Einführung gelangen. Einen Büchsenschützen-Verein hat es in Nordhausen schon am Ende des 15. Jahrhunderts gegeben. Das beweisen die zahkeichen Einladungen an die Schützenmeister und Schießgesellen der Handbüchsen und Rohre zu Nordhausen, 1500 nach Leipzig (siehe Einladung Seite 12), 1515 nach Langensalza, 1522 nach Fulda, 1523 und 1535 nach Gotha, 1534 und 1536 nach Erfurt, 1538 nach Eisenach, 1545 nach Mühlhausen, 1550 nach Ilmenau und Duderstadt. Den Büchsenschützen wurden vom Rat 1495 die oberhalb des alten fränkischen Reichshofes und des Heerlagerplatzes gelegenen Gräben als Schießgräben zugewiesen, Frauenberger Graben. An den Tagen, an denen die Büchsenschützen ihren Schützenhof hielten, pflegten die Armbrustschützen in ihrem Graben nicht zu schießen.

Die Reformation 15./16. Jahrhundert und die Pestepidemien zwischen 1550 und 1590, die in ganz Mitteleuropa wüteten, sind nicht ganz spurlos an der Schützenbewegung vorbeigegangen. Die Bewohner von Nordhausen schlossen sich schon recht früh der Reformationsbewegung an. Infolgedessen war die Beibehaltung der alten katholischen Armbrustschützenordnung mit ihrer Annäherung an die geistlichen Ordensbrüderschaften auf die Dauer nicht mehr zu halten. Das bezeugen die neuen Statuten der Armbrustschützen vom Jahre 1588. Die Einladungen zu den Schützenhöfen fielen recht spärlich aus. Trotzdem können wir davon ausgehen, daß das Schützenwesen stetig gepflegt wurde.
Eines sollte nicht unerwähnt bleiben, daß die Heranziehung der Bürgerschaft zu den Kriegsübungen mit der Büchse die Hauptveranlassung zur Erhebung des Büchsenschützenwesens war. Lag doch die Verteidigung der Stadt noch im 17. Jahrhundert weniger in der Hand der geworbenen Söldner, sondern vor allem in den Händen der Bürgerkompanien.
Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts blühte das Schützenwesen, besonders das der Büchsenschützen wieder auf. Das Büchsenschützenwesen nahm sogar einen solchen Aufschwung, daß die Armbrust gänzlich in Verfall geriet. Die Blüte war jedoch von kurzer Dauer. Einige Einladungen finden sich aus den Jahren 1601 nach Halle und 1614 nach Dresden.
- Zu dem Schützenhof nach Halle, am 30. August bis 7. September, waren 156 Städte, darunter auch Nordhausen, eingeladen. Von den Geladenen kamen aber nur 50, auch Nordhausen nahm nicht teil.
- Im Jahre 1614 meldete der Kurfürst Johann Georg von Sachsen dem Rat zu Nordhausen, daß er bei der Ankunft vorneluner Gäste am 21. September zu Dresden ein Armbrust- und Stahlschießen halten will, wozu er den Rat auffordert, einige seiner besten Armbrust- und Stahlschützen zu senden.

Der Dreißigjährige Krieg, die Pest, Feuersbrünste usw. brachten dem Schützentum den Verfall und Untergang. Es gibt fast keine Armbrustschützen- noch Büchsenschützenvereinigungen mehr. Nur langsam konnte die Stadt die verheerenden Auswirkungen des Krieges überwinden.
Als am 22. Oktober 1662 eine Einladung zum Armbrustschießen nach Dresden erfolgte, erwiderte der Rat zu Nordhausen resigniert: "Wir müssen berichten, daß infolge des schweren Krieges und da unsere Stadt allewegs mit Einquartierung, Auflagen und anderen Incommoditatibus belli infestieret worden, solch Lustererzitia ganz abgekommen, sodaß daher keiner mehr bei uns zu finden, der von solchen Stahlschießen rechte Wissenschaft trage, sodaß sich auch niemand zu diesen Stahlschießen einfinden kann."
In einer Petition vom 7. August 1667, welche von 19 Bürgern unterschrieben wurde, bitten diese den Rat, das Scheibenschießen wieder einzuführen. Habe es doch schon lange vor dem Dreißigjahrigen Krieg bestanden und zwar vor der Frauenberger Stiege. Die beiden 1471 angelegten Schützengräben erstreckten sich von der Frauenberger Stiege bis zum Taschenberg. Eine Antwort seitens des Rates ist nicht bekannt. Die Zeitumstände sind diesem wahrscheinlich hinderlich. Die Pestjahre 1681-83 dezimieren die Einwohnerschaft, 1686 verbrennen 175 Häuser in der Neustadt. Erst 1693/94 erfolgte die Neugründung der Schützenkompanie, die sich recht wohl des Zusammenhangs mit den Büchsenschützen vor dem Dreißigjährigen Krieg bewußt gewesen ist. Eine Schützenkompanie muß es bereits schon 1427 gegeben haben.
1693 wird das Schießen sonntags auf den Bielenrasen angefangen und 1694 fortgesetzt. Am 5. Oktober 1694 wird die Beschaffung einer neuen Fahne beschlossen, dem folgt die Bestätigung der neuen Büchsenschützenordnung am 2. August 1695 durch den Rat und mit Siegel bestätigt. Das Sonntagsschießen wird auf den Montag verlegt. Seit 1699 ist der Frauenberger Graben, wo noch die alten Schießmauem standen, wieder benutzt worden. Die neu gegründete Schützenkompanie übernimmt die Pflichten einer Polizeitruppe in Kriegs-, Aufruhr- und Feuersnöten und als Grenzgendarmerie, wo sie sich ausgezeichnet bewälut hat. Der Rat stiftet jährlich einen silbernen Becher (Königsbecher).

Erster Schützenmeister (davon gab es zwei) waren der Chirurgus Johann Friedrich Wachter und der Kaiserl. Postmeister Christian Ernst Schmidt. Die Führung der Kompanie lag in den Händen der beiden Schützenmeister, welche halbjährlich abwechselnd die Kompanie führten. Ihnen unterstand der Schützenschreiber einen durch Eid gebundenen Zeiger, außerdem gab es einen Leutnant, einen Fähnrich und mehrere Corporale. Auch Matthäus Hundshagen, welcher 1699 die silberne Siegelkapsel zu den ersten Statuten gestiftet hat, ist Schützenmeister und Schützenkönig gewesen. Um das Jahr 1700 hatte die Schützenkompanie um die 30 Mitglieder. Daher mußten seitens der Führung der Kompanie Schritte unternommen werden, die Mitgliederzahl zu erhöhen. Dazu gehörte die Erlangung der Schußfreiheit für den König und die Errichtung eines Wirtshauses. Am 10. Mai 1702 wurde der Schußfreiheit für den König und dem Bau eines bei den Schützengräben gelegenen Wirts hauses zugestimmt, zu dessen Erbauung der Kurfürst von Hannover 45 Stück Stanamholz aus seinem Forst unentgeltlich geliefert hatte. Die Straße, die dorthin führte, nannte man Schützenstraße.
Das Schützenhaus gehörte der Kompanie, für die Gräben zahlte man an die Stadt 2 Taler 12 Groschen und an die Frauenberger Gemeinde 1 Taler 12 Groschen. Die Stadt zahlte für den Königsbecher 8 Taler, 22 - 24 Taler für die jährlichen Scheiben und je 4 Taler vor und nach Johanni, später als An- und Abschußgeld bezeichnet. 1712 ging man noch einen Schritt weiter und folgte dem Beispiel andrer Städte, indem man dem alljährlichen König ein freies Broihansgebräude gewährte. Dem Schützenkönig waren zwei Braulose garantiert, deren Wert ca. mit 50 Talern berechnet wurde, femer war er frei vom Geschoß-, Kunst- und Wachgeld, kurze Zeit auch vom halben Mahl- und Schrotgeld. Es ist kein Wunder, daß der Schützenkönig zu solch einem Schützenschmaus verpflichtet war, bei dem es hoch her ging. Der Auszug zum Freischießen erfolgt vom Rathaus aus, 6 Ratsdeputierte wohnen dem jährlich bei und führten den König aus und ein und gaben diesem die rechte Weihe. Erst seit 1795 unterbleibt der Auszug.

Nach den großen Bränden von 1710 und 1712, wo große Teile der Oberstadt abbrannten, frischte das Leben in der Kompanie wieder auf und die von 1695 stammenden unbequem gewordenen Statuten wurden 1716 geändert. Diese neuen Statuten führten unter anderem den bis dahin verbotenen gezogenen Lauf ein.
Es folgten Einladungen aus Amstadt (1718, 1729, 1721, 1732), Mühlhausen (1721, 1723, 1725), Erfurt (1721, 1732, 1733), Gotha (1728, 1730), Frankenhausen, Sondershausen.
Die Einverleibung der Freien Reichsstadt Nordhausen in den preußischen Staat am 2. August 1802 brachte auch für die Schützenkompanie mancherlei Veränderungen. Bereits 1803 wurden die Schützen zur Bürgerwache und ab 1806 auch zu regelmäßigen Nachtpatrouillen herangezogen. Die Anzahl der Schützen wuchs in überraschender Weise, waren es 1800 nur noch 20 Mitglieder, so waren es 1804 bereits 52 Mitglieder. Mit der Einführung der Uniformierung anläßlich der Durchreise des Königs Friedrich Wilhelm III. trat eine Verminderung der Mitglieder ein.

Das Jahr 1806 brachte die französische Invasion und die westfälische Regierung. Die Ablieferung aller Waffen war eines der ersten Gebote der fremdländischen Herrschaft. Zwar erlangte der Sattlermeister Kropff eine mündlich zusagende Erlaubnis in Erfurt, aber erst seit dem 24. Juli 1807 wurde das Scheibenschießen offiziell wieder gestattet. Die 8 Monatsthaler für die regelmäßigen Schützenübungen wurden nicht mehr bewilligt.
Seit 1804 stehen 2 Hauptleute an der Spitze der Kompanie. Das waren der Senator C. W. Leberecht Brähme und der Advokat Ferdinant Samuel Jakob Lange. Dazu kommen 2 Lieutnants und ein Korporal. Am 1. März 1811 wurden der Kompanie neue Statuten genehmigt. Zu dieser Zeit hatte die Kompanie 50 Mitglieder. Nach Abzug der Besatzungstruppen erhielt die in westfälischer Zeit eingesetzte Satzung zunächst Änderungen. Die Verhandlungen mit der neuen preußischen Regierung die 1814 begannen und bei denen es um die Wiederherstellung der alten Kompanie ging, zogen sich bis in das Jahr 1818. Daraus ging hervor, daß die Stadt zu den Schützenscheiben, An- und Abschießen, sowie zu den Königsbecher mit 37 Thalern 2 Groschen und 11 Pfennige = 111 Mark und 37 Pfennige zu zahlen hatte. Mehrere neue Statuten wurden eingereicht bis dann schließlich im Jahre 1868 ein befriedigender Abschluß gefunden wurde 1817, 1823, 1849, 1855, 1868. Den Bedürfnissen der Zeit entsprechend mußten auch die jeweiligen Schießordnungen geändert werden 1851, 1864, 1884 und 1907.
Auch die Uniform, die 1805 eingeführt wurde, paßte sich den Anforderungen der damaligen Zeit an und war im Statut von 1868 geregelt.
Mit der Ablösung der dem Schützenkönig zustehenden Braugerechtigkeit, die 1826 erfolgte, geriet die Kompanie finanziell in eine mißliche Lage. Zwar erhielt die Kompanie 1829 eine Ablösesumme von 1.000 Thalern für die beiden Braulose und der Schützenkönig beim Freischießen seit 1828 15 Thaler.

Durch die größere Reichweite der Geschosse bekam die Kompanie erhebliche Schwierigkeiten. Schon Anfang der 40er Jahre wurde Klage geführt, daß Geschosse Passanten am Taschenberg gefährdeten.
1867 wurde das am Abend übliche Lampenschießen verboten, 1869 das Abschießen der Kanonen nicht mehr gestattet, 1871/72 das Schießen nach der Vogelstange untersagt und bereits 1877 verlangen die Stadtverordneten die Schließung des Schützenhauses. Erst 1882 zu 1883 konnte die Schließung durchgesetzt werden. Schon 1861 hatte die Kompanie den Neubau eines Schützenhauses beim Gehege beantragt und 1875 ihr die Anlage eines Schießgrabens und Kugelfangs am Kuhberg zu gestatten. Beides wurde nicht genehmigt. Erst am 10. Juli 1880 trat die Angelegenheit in ein neues Stadium, indem die seitens der Stadtverordneten eingesetzte Kommission ein Terrain am Eulenberg, hinter Pfarrer Hüpedes Garten empfahl (heute Holungsbügel). Es vergingen noch vier lange Jahre, ehe die neue Schießhalle und der neue Schießstand am 17. - 20. August 1884 eingeweiht werden konnten. In den Jahren, wo die Kompanie keinen eigenen Schießplatz besessen hatte, mußten ihre Schützenfeste an anderen Orten durchgeführt werden, so unter anderem am Tierschaurasen, wo vom 15. - 22. Juni 1862 ein großes Schützenfest stattfand, 1866 und 1876. Zu dem großen Schützenfest 1866 zählte die Kompanie 72 Mitglieder.


    * 1824 wurden der Kompanie zwei Kanonen geschenkt, die am 31. Juni 1829 zu einem recht üblen Scherz verwendet wurden. Abends zwischen 10 und 11 Uhr hatten einige die große Kanone vor das Schießhäuschen gerückt und es eingeschossen, ein großer Teil der Fenster des Schützenhauses waren zersprungen.
    * 1854 stiftete der Hauptmann Eduard Spangenberg einen silbernen Ehrenbecher und seit 1858 eine silberne Medaille dem jährlichen Schützenkönig.
    * der Particulier August Huch schenkte der Kompanie 1858 eine neue prachtvolle Fanne und 1859 übersandte der Prinzregent von Preußen einen goldenen Adler mit der Inschrift "Prinzregent von Preußen".
    * 1867 wurde seitens der Kompanie ein Schützenalbum angelegt um ihre Mitglieder im Bild festzuhalten.
    * Nachdem das neue Schützenhaus eingeweiht worden war, galt es, dasselbe zu einer Heimstätte zu machen. Das ist der Kompanie nicht leicht gefallen und hat sie viel Geld gekostet. Das Schützenhaus wurde mehrmals um- und ausgebaut, so 1910 und 1929.
    * Während des 1. Weltkrieges haben die Schießstände dem hier stationierten Militär gedient. Erst seit 1919 fanden wieder regelmäßig Versammlungen statt. 1921 regte der Kamerad Wilhelm Binder in einem Schreiben an die Kompanie die Gröndung eines Kyffhäuser Schützenbundes an, welcher dann auch am 28. August 1921 gegründet wurde. Er bestand aus 22 Vereinen und hatte ca. 1.800 Mitglieder. Von den Ereignissen und Veranstaltungen, welche für die Kompanie von Bedeutung waren, will ich nur einige nennen.
    * 16. Thüringer Bezirksschießen, welches unter dem Protektorat des Prinzen Friedrich von Preußen vom 24. - 28. Mai 1908 auf dem Gelände am Kurhaus stattgefunden hat (Kugelfang der Kuhberg)
    * am 15. Juni 1923 findet ein Kaiserjubiläumsschießen statt.
    * 1927, im Zeichen der Jahrtausendfeier der Stadt Nordhausen und des 500-jährigen Bestehens der Schützenkompanie findet ein Jubiläumsschießen statt.
    * im Jahre 1932 übernimmt die Kompanie das 11. Kyffhäuser Bundesschießen, welches erfolgreich durchgeführt wird.
    * vom 21. - 28. Mai 1933 findet in Nordhausen das 30. Thüringer Bundes schießen statt.
      Aus der Zeit von 1933 bis zum Ende des 2. Weltkrieges 1945 sind mir keine Aktivitäten der Schützenkompanie bekannt. Doch ist anzunehmen, daß in dieser Zeit der Schießsport weiterentwickelt wurde, der Wehrertüchtigung und den Zielen des Systems diente.



Mit dem Kriegsende kam auch das Ende der Nordhäuser Schützenkompanie. Alle Waffen mußten nach dem Kriegsende bei Strafe abgegeben werden. Deutschland wurde infolge des Krieges in vier Besatzungszonen aufgeteilt aus denen 1948/49 zwei unterschiedliche Staaten entstanden. Aus den drei westlichen entstand die BRD, und aus der östlichen (sowjetischen) Besatzungszone entstand die DDR in der diese Art Schützenwesen nicht erlaubt war. Das Schützenhaus wurde 1951 verstaatlicht und Rechtsträger wurde die Stadt Nordhausen. 1963 wurde das Anwesen der GST übertragen und diente der GST zur vormilitärischen Schießausbildung und den Kampfgruppen und der Polizei als Trainingsstätte.
1967 wurde die "Nordhäuser Schützenkompanie v. 1420" in Köln im Verband der Nordhäuser Heimatfreunde durch die in den alten Bundesländern lebenden Nordhäuser zum zweitenmal gegründet, mit Sitz in Bad Sachsa. Die Kompanie war Mitglied im Dachverband "Bund Mitteldeutscher Schützen" zu denen auch Stolberg, Klettenberg und Ilfeld gehörten.
Über 20 Jahre waren die Nordhäuser Gäste bei der Bad Sachsaer Schützengesellschaft, unter dem Vorsitz ihres Schützenmeisters Günter Heidergott. Dort trafen sie sich zweimal im Jahr.

Am 31.3.1990 gründete sich unter Federführung von Klaus Weißbarth und anderen Sportfreunden die Nordhäuser Schützenkompanie v. 1420, die dann am 10. Mai 1990 in das Vereinsregister beim Kreisgericht Nordhausen eingetragen wurde.
Dem folgte am 22. April ein Freundschaftsschießen mit Sportfreunden der Northeimer Bürgerschützengesellschaft, bei dem die Nordhäuser als Sieger hervorgingen und den vom Rat der Stadt gestifteten Wanderpokal aus den Händen des amt. Bürgermeisters Olaf Dittmann entgegennehmen konnten. Höhepunkt war das Schützenfest am 16. Juni 1990 im Schützenhaus an der Salza. Das Sommernachtsschießen, das Silberschießen der Junggesellen-Schützen-Gesellschaft in Northeim sowie das Schützenfest der Schützengesellschaft von 1814 in Bad Sachsa waren weitere Höhepunkte dieses Jahres.
Noch im gleichen Jahr nahm der Traditionsverein der Nordhäuser Schützenkompanie v. 1420 von Bad Sachsa Kontakt zur neugegründeten Nordhäuser Schützenkompanie in Nordhausen auf und lud diese zum Königsschießen, welches zum 21. mal stattfand ein und man wurde sich der gemeinsamen Tradition bewußt. Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990 erfolgte im April 1991 eine Einladung der Nordhäuser Schützenkompanie v. 1420 der alten Bundesländer (1. Vorsitzender Jürgen Oppermann, der da nicht mehr kandidierte, neuer 1. Vorsitzender Walter Schatz aus Soest) an den Vorstand der neugegründeten Nordhäuser Schützenkompanie v. 1420 der neuen Bundesländer (1. Vorsitzender Kunze) an der Jahreshauptversammlung im Bad Sachsaer Hotel Schützeneck teilzunehmen. Im Mittelpunkt stand die Vereinigung der beiden Kompanien. Im Anschluß trafen sich die Mitglieder im Schützenheim der Bad Sachsaer Schützengesellschaft, um ein letztes Schießen durchzuführen. Die in Nordhausen neu gegründete Kompanie hatte zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 100 Mitglieder. Am 8.9.1991 war es mit der Vereinigung soweit, man traf sich im Kursaal von Bad Sachsa zu einer konstituierenden Sitzung. Erster Vorsitzender der nun wieder vereinten Nordhäuser Schützenkompanie wurde Walter Schatz.

Das Anschießen am 4./5. April 1992 wurde anläßlich des Gedenkens an den Bombenabwurf am 3./4. April 1945 auf Nordhausen durchgeführt. Zu diesem Anlaß wurde von Walter Kräsel ein Pokal gestiftet. Mit der Übergabe der Vereinsstandarte wurde nun endgültig die Vereinigung der beiden Schützenkompanien besiegelt. Auch die Bad Sachsaer Schützengesellschaft mit ihrem Spielmannszug kam. Danksagend und in Verbundenheit mit den Bad Sachsaern wurde Günter Heidergott als Ehrenmitglied der Nordhäuser Schützenkompanie aufgenommen. Als Dank pflanzte er einen Baum mit dem Wunsch, daß dieser genauso wie das Schützenwesen in Deutschland gut gedeihen möge.
Auch sind seit 1990 Bemühungen in Gange, das Schützenhaus und die Schießstände wieder in den Besitz der Schützenkompanie rück zu übertragen. Die Verhandlungen erwiesen sich als sehr schwierig. Im Dezember 1994 war es nun endlich soweit, da§ der Notarvertrag unterschrieben werden konnte und 1995 die Rückübertragung erfolgen konnte.
Seit 1990 hat sich dank der vielen fleißigen Helfer auf dem Gelände des Schützenhauses einiges getan. So wurde der Luftgewehrstand ausgebaut, die Kleinkaliberschießanlage wurde auf den neuesten Stand gebracht und 1993 wurde ein Großkaliberschießstand errichtet. Um das Schützenhaus ist es auch sauberer geworden und eine moderne Heizung wurde eingebaut.
An dieser Stelle möchte ich mich im Namen aller Schießsportinteressierten bei allen denen bedanken, die durch ihre körperliche Arbeit und bei denen, die mit finanziellen Zuwendungen alle diese Errungenschaften ermöglicht haben.
   
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