Vereinsgeschichte - Schützenfeste 4

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Aus diesen Einladungen ist recht gut zu ersehen, wie es auf dem alten Schützenhofe zuging. Meist schrieben die Einladungen die Anzahl der Schützen vor, die zu entsenden waren, wie geschossen werden sollte, wieviel Schuß abgegeben werden dürfen und auf welche Entfernung geschossen wurde.
Die Scheiben selbst hatten die verschiedensten Formen. 1477 zu Erfurt wurde "nach dem Weibe" geschossen. Seit dem 16. Jahrhundert stellte man gern Türken auf. Auch Ringscheiben, das sogenannte Blatt, dienten als Ziel. Sie hatten in der Mitte ein enges Loch, und wer den Pfeil hier hindurchschoß, hatte den "Meisterschuß" getan. Daneben kam im 16. Jahrhundert auch das Schießen nach einem auf einer Stange sitzenden hölzernen Vogel auf. In Nordhausen wurde am 17. Juni 1588 eine solche Vogelstange von den hiesigen Armbrustschützen aufgestellt und am 25. August das erste Schießen auf den hölzernen Vogel ausgerichtet.
Daß während oder nach dem Schießen ein fröhliches Treiben einsetzt, ist selbstverständlich. Der Sieger mußte sich freigiebig zeigen und manchen wird sein Meisterschuß schon in jener Zeit wohl das vielfache von dem gekostet haben, was er mit seiner Kunst gewonnen hat.
Mit der Erfindung des Schießpulvers Anfang des 14. Jahrhunderts und mit der Entwicklung der vollständig geschäfteten Büchse Mitte des 15. Jahrhunderts kamen die ersten Büchsenschützen-Vereine auf. Wegen des hohen Gewichtes der Hakenbüchse, welche 15 - 100 Pfund schwer war, konnte diese nur allmählich zur Einführung gelangen. Einen Büchsenschützen-Verein hat es in Nordhausen schon am Ende des 15. Jahrhunderts gegeben. Das beweisen die zahkeichen Einladungen an die Schützenmeister und Schießgesellen der Handbüchsen und Rohre zu Nordhausen, 1500 nach Leipzig (siehe Einladung Seite 12), 1515 nach Langensalza, 1522 nach Fulda, 1523 und 1535 nach Gotha, 1534 und 1536 nach Erfurt, 1538 nach Eisenach, 1545 nach Mühlhausen, 1550 nach Ilmenau und Duderstadt. Den Büchsenschützen wurden vom Rat 1495 die oberhalb des alten fränkischen Reichshofes und des Heerlagerplatzes gelegenen Gräben als Schießgräben zugewiesen, Frauenberger Graben. An den Tagen, an denen die Büchsenschützen ihren Schützenhof hielten, pflegten die Armbrustschützen in ihrem Graben nicht zu schießen.
   
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