Das ehemalige Schützenhaus


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Das ehemalige Schützenhaus war älter als das Rathaus

Wenn im Mai 1879 die Schießstände der Schutzenkompanie polizeilich geschlossen wurden, so hauptsächlich deshalb, weil die Bebauung der Schützenstraße (jetzt Dr.-Silberborth-Straße) das erforderte. Die Lärmbelästigung für die Anwohner wäre zu groß geworden. Das Schützenhaus, das vor der Häuserreihe an der Südseite lag und jahrhundertelang den Schützen Unterkunft gewährte, aber auch der Bevölkerung der Stadt als Restauration diente, wurde nicht mehr benötigt, nachdem 1884 am Hüpedenweg ein neues Schützenhaus erbaut war.
Die beiden Schießgräben, die später im Bereich der Schützenstraße lagen, wurden 1471 angelegt und erstreckten sich von der Frauenberger Stiege bis zum Taschenberg und darüber hinaus. Beim Schützenhaus waren die Gräben bis in unsere Zeit vorhanden. Nördlich der Gräben bis zur Morgenröte hin gab es einen Exerzierplätz, so daß man fast von militärischem Gelände sprechen konnte. Wann genau das Schützenhaus erbaut wurde, kann nicht gesagt werden. Erste Hinweise auf ein "Schießhaus am Frauenbergs-Stiegel" verbinden sich mit dem Jahre 1602. Es dürfte also älter als das Rathaus gewesen sein. Seit 1823 wird dort Gastronomie bestätigt, wo ein Gastwirt Friedrich Kleineberg genannt wird.
Erwähnenswert ist, daß auf dem Gäststättengelände im Jahre 1860 die erste Turnhalle der Stadt erbaut wurde, ein reiner Holzbau (17 m lang und 12 m breit), der angeblich Platz bot für 90 Turnende. Bis 1900 stand diese Tumhalle und fand einen Nachfolger in der benachbarten Sedanstraße, der späteren Rudolf-Breitscheid-Straße. Nachdem die Schützengesellschaft 1884 ihr neues Heim bezogen hatte, blieb die Restauration unter dem alten Namen "Schützenhaus" bestehen. Dank der Initiative des über die Kreisgrenzen hinaus bekannten Nervenarztes Dr. Isemann wurde das Haus um 1930 unter Umbenennung in "Haus der Jugend" zum Teil eine alkoholfreie Gastwirtschaft und zum Teil eine Jugendherberge nur für Mädchen. Ab 1934 trat emeut eine Änderung ein. Das Lokal wurde geschlossen, seine Räume für Schulungszwecke der Jugend genutzt. "Horst-Wessel-Heim" wurde es genannt. Im Jahre 1945 ist das Haus zusammen mit seiner Umgebung durch Bomben zerstört worden.
Fritz Schmalz
   
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